Donnerstag, 21. Oktober 2010

@Deprecated Java für Mac OS X

Es musste ja irgendwann passieren: Nachdem schon Flash in Ungnade gefallen war, hat Apple nun keine Lust mehr auf Java...

In den Release Notes zum gestern erschienenen "Java for Mac OS X 10.6 Update 3", das Java SE 6 auf Version 1.6.0_22 aktualisiert, findet sich an prominenter Stelle der Hinweis, dass Apples eigene Java-Implementation ab sofort als veraltete Technologie gilt und in künftigen Mac OS X-Versionen fehlen könnte.

Auch wenn direkt unter dieser Ankündigung beschrieben ist, dass und wie mit diesem Update Java Virtual Machines (JVMs) anderer Hersteller leichter ins System eingebunden werden können (was ich in einem folgenden Blog-Eintrag beschreibe) und auch die exakte Wortwahl der Apple-Java-Abkündigung fast impliziert, dass ein anderer Hersteller in die Bresche springen wird – gesichert ist dies nicht.

Bis also Oracle oder IBM oder irgendwer sonst (Google?) offiziell bekannt gibt, dass sie eine Java-Implementierung für Mac OS X anbieten werden, müssen wir leider davon ausgehen, dass Java auf dem Mac tot ist.

Dies dürfte extrem negative Auswirkungen auf den Einsatz von Macs in Unternehmen haben, da dort Java-Anwendungen häufig in der einen oder anderen Form benötigt werden. Ebenso wird der Mac damit für Bildungseinrichtungen und insbesondere Hochschulen uninteressant, da dort oft Java als Lehrsprache eingesetzt wird. Und die Java-Entwickler-Gemeinde, in der sich (zumindest gefühlt) überdurchschnittlich viele Mac-Anwender befinden, wird sich neue Hardware-Investitionen und Upgrades auf kommende Mac OS X-Versionen gut überlegen.

Zu hoffen bleibt, dass die Ankündigung nur eine Kommunikations-Katastrophe mit schlechtem Timing war. Andererseite werden, sofern man diversen Internet-Quellen glauben darf, Java-Anwendungen für den kommende "Mac App Store" nicht akzeptiert werden, da es sich um veraltete Technologie handelt. Und das sieht dann schon eher nach Absicht aus...

Abwarten und Kaffee trinken.

Kommentare:

  1. Ich vermute dahinter die Absicht, dass Apple mittelfristig Crossplattform-Entwicklung unterbinden will. Für iOS haben sie das von vorne herein unterbunden, in dem sie den Zugang via Appstore reguliert haben. Dabei haben sie sehr bewusst Codeinterpreter ausgeschlossen und zuletzt ja sogar vorgeschrieben, mit welchen Tools die Programe zu entwickeln sind.

    Unter OSX kann Apple sicher nicht so einfach externe Quellen dicht machen. Aber der Appstore für OSX wird sehr prominent eingebunden sein und dort bestehen die gleichen Beschränkungen wie im iOS-Appstore, d.h. Nur offizielle APIs sind erlaubt und auch nur Programme, die mit XCode erstellt wurden. Java, Flash und Co. Fallen raus.

    Nun liest man überall, dass der AppStore für OSX nur eine Option ist und man weiterhin auch Programme installieren kann, aber wenn Apple Java entfernt, fällt gleich eine Reihe von IDEs weg, mit denen man Programme entwickeln kann (Eclipse, Intellij, Netbeans). Wer dann für OSX entwickeln will, muss quasi zwangsläufig XCode verwenden.
    Am Ende scheint Apple Entwickler vor die Wahl stellen zu wollen: wenn ihr für OSX entwickeln wollt, dann nur so, wie wir das wollen oder gar nicht.

    AntwortenLöschen
  2. Ob Apple die Cross-Platform-Entwicklung wirklich aktiv unterbinden will, bleibt abzuwarten. Manuell soll man Java-Anwendungen unabhängig vom AppStore ja weiterhin installieren können. Und in Apples Ankündigung war keine Rede davon, dass Java entfernt wird - für 10.5 und 10.6 soll die bestehende Implementierung bis zum Ende des OS-Lebenszyklus gepflegt werden. Für Mac OS X 10.6 dürfte das irgendwann bis 2012 sein; genug Zeit, damit alternative Implementierungen auftauchen.

    Dass Apple kein Interesse an Cross-Platform-Entwicklung hat, ist dagegen offensichtlich. Dafür hat Apple mit Cocoa einfach eine zu gute, hausgemachte API. Und gerade im Desktop-GUI-Bereich ist Java (AWT/Swing) leider nie wirklich so groß geworden, wie Sun das geplant hatte. Durch Apples Ignoranz wird Java also vielleicht nicht aktiv unterbunden, aber für den Normal-Anwender uninteressant und irrelevant gemacht. Das war aber schon seit ein paar Jahren abzusehen.

    Und genau das ist für die Mehrzahl der Java-(Enterprise-)Entwickler auf dem Mac eigentlich gar kein Problem - unter zwei Voraussetzungen:
    1) Es gibt eine klare Perspektive, dass es aktuelle JDK-Implementierungen für Mac OS X geben wird, und eine klare Aussage, wer die Implementierung anbietet (z.B. Oracle). Einfach alles auf die Community abzuschieben, bringt nicht die notwendige (Investitions-)Sicherheit.
    2) Mit dieser JDK-Implementierung können die üblichen Java-IDEs brauchbar ausgeführt werden.

    Dann hätten wir eine vergleichbare Situation wie unter Windows oder Linux, und dort kann man ja auch problemlos mit Java entwickeln.

    AntwortenLöschen