Mittwoch, 22. Juli 2009

Lokaler Aufruf von @Remote in GlassFish

GlassFish muss als Java EE 5-konformer Application-Server beim Aufruf von EJB-@Remote-Interfaces die Übergabeparameter und Rückgabewerte kopieren (serialisieren). Der Aufruf erfolgt also mit Wert-Semantik ("pass-by-value"), selbst wenn der Aufrufer und die aufgerufene Session-Bean innerhalb derselben JVM laufen ("co-located") und der Aufruf damit prinzipiell lokal erfolgen könnte (durch Über-/Rückgabe von Referenzen, entsprechend "pass-by-reference" genannt).

Obwohl GlassFish den eigentlichen Remote-Aufruf bereits gut optimiert, wenn sich Aufrufer und aufgerufene Bean auf demselben Server befinden, kostet das Kopieren der Parameter Zeit und Speicher. Wenn die Parameter große Datenmengen beinhalten, kann es sich daher als Performanz-Optimierung lohnen, die Parameter des lokalen Remote-Aufrufs entgegen der Spezifikation als Referenz übergeben zu lassen. Man muss dann aber bedenken, dass Änderungen an den Parameterdaten – wie bei @Local-Aufrufen – an allen Stellen sichtbar sind, die eine Referenz darauf halten.

Aktivieren lässt sich der lokale Aufruf von @Remote-Methoden in GlassFish für eine komplette Enterprise-Applikation (EAR) im sun-application.xml-Deskriptor wie folgt:
<sun-application>
<pass-by-reference>true</pass-by-reference>
</sun-application>
Oder für einzelne EJBs in sun-ejb-jar.xml:
<sun-ejb-jar>
<enterprise-beans>
<ejb>
<pass-by-reference>true</pass-by-reference>
</ejb>
</enterprise-beans>
</sun-ejb-jar>
Achtung: Zumindest GlassFish 2.1 scheint einen Bug zu haben, dass die Einstellung in sun-application.xml ignoriert wird, wenn sich in einem EJB-Modul (EJB-JAR) kein sun-ejb-jar.xml befindet. Abhilfe: Einfach einen (abgesehen vom Wurzel-Element) leeren Deskriptor ergänzen.

Und nochmal Achtung: Offenbar klappt die Optimierung nur innerhalb einer Anwendung (EAR), nicht aber zwischen mehreren separaten Anwendungen bzw. EJB-Modulen auf demselben Server.

Warum will man überhaupt eine nicht standardkonforme Referenz-Übergabe aktivieren? Kann man nicht besser @Local-Interfaces verwenden, die die erwähnten Performanz-Vorteile sowieso mit sich bringen? Ja, man sollte @Local-Interfaces nach Möglichkeit bevorzugen.
Es gibt aber Fälle, bei denen man nicht schon bei der Programmierung entscheiden kann bzw. möchte, wie die Bean-Aufrufe durchgeführt werden, beispielsweise weil man sich die Option offen halten möchte, ob Frontend (WAR) und Backend (EJB-JAR) gemeinsam in einem EAR oder aber separat bereitgestellt ("deployed") werden. Im Quelltext wird man dann die @Remote-Variante programmieren, hat aber mit dem pass-by-reference-Schalter später per Konfiguration die Möglichkeit, die Aufrufart einfach und schnell umzustellen.

Sinnvoll erscheint dies vor allem dann, wenn man viele EJBs entfernt aufruft und alle Aufrufe auf einen Schlag optimieren will. Wenn man dagegen nur wenige EJBs entfernt nutzt oder nur einzelne Aufrufe optimieren möchte, kann man die Aufrufart – wenn auch mit etwas mehr Aufwand – über die Standard-XML-Deskriptoren ändern. Eine mögliche Realisierung ist hier beschrieben.

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